Im beschaulichen Schambachtal (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), einem Seitental des Altmühltales, steht seit 1995 das „Schneckenhaus Gottes“. Dieser Name bezieht sich auf den Grundriss in der Form eines Ammoniten, der in dieser Gegend recht häufig als Versteinerung zu finden ist und die der Architekt Johannes Geisenhof für den Zentralbau der Kapelle gewählt hat. Die Verwendung der traditionellen regionalen Baustoffe wie Bruchstein und Legschiefer bot ideale Voraussetzungen für die bauliche Umsetzung eines Konzeptes, das sich weder auf rechte Winkel noch auf waagerechte und senkrechte Linien stützt.
Die Kapelle entstand auf Privatinitiative katholischer und evangelischer Christen und wird von einem Förderverein auf ökumenischer Basis getragen. Sie ist voll in das einheimische Leben beider Kirchen integriert.
Über das Leben und Wirken der heiligen Gunthildis aus Suffersheim gibt es wenige historische Daten. Die Grablege mit ihren Gebeinen in Suffersheim lässt sich jedoch noch 1651 durch eine Niederschrift des Abtes Dominikus von Plankstetten nachweisen. Archäologische Grabungen in den Jahren 1996 bis 1998 unmittelbar westlich der neuen Kapelle ergaben, dass bereits im 11. Jahrhundert dort ein Kirchenbau stand und im 14. und 15. Jahrhundert bauliche Erweiterungen erfolgten. Nachgewiesene Chorschranken und ein Reliquiengrab deuten auf eine herausgehobene Funktion dieser kleinen Kirche hin. Für 1398 ist eine Altarweihe durch den Eichstätter Weihbischof Seyfried dokumentiert; es wird auch von regen Wallfahrten nach Suffersheim berichtet. In den Legenden wird Gunthildis als eine mildtätige Frau, als fromme Dienstmagd und als Nothelferin für das kranke Vieh beschrieben. Darstellungen aus dem 15. Jahrhundert zeigen sie mit einem Milchkrug, Käselaib und mit einer Kuh. Aus derselben Zeit stammt eine aus wenigen Grabungsfunden erhaltene kleine Terrakottakuh, die für die Verehrung von Sankt Gunthildis als Viehpatronin zeugt. Mit Einführung der Reformation erlosch Verehrung und Wallfahrt. Die Gebäude im Schambachtal verfielen – Sankt Gunthildis geriet Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst durch Grabungen im Jahre 1957 wurde die Öffentlichkeit wieder auf die Heilige von Suffersheim aufmerksam.
Durch den Schneckeneingang gelangt man in das Innere der Kapelle – einem Ort der Abgeschlossenheit und Ruhe –, das sein Licht nur aus drei kleinen Fenstern und dem Zugang bezieht. Der leicht ansteigende Schneckengang windet sich in das Innere und findet seinen Abschluss in einem Ambo. Der Ambo symbolisiert mit den zwölf Säulen die zwölf Stämme Israels, das Judentum; sie sind der Ursprung des Volkes Gottes. Auf dem Ambo liegt die Heilige Schrift, Altes und Neues Testament – das
Wort Gottes.
Das Kreuz des Christentums hängt im Mittelpunkt, genau über dem Ambo. Der Körper Christi ist nicht mehr Materie – er zeigt sich im Licht der Auferstehung. Kreuz und Ambo verkörpern auch die friedliche Begegnung des Christentums mit dem Judentum. Geborgen unter einem Zeltdach stützen zwölf Dachbalken das schwere Steindach – wie die zwölf Apostel die Kirche Christi.
In der Nische steht die Juramarmor-Figur der Sankt Gunthildis. Sie weist mit der einen Hand auf das Kreuz, mit der anderen auf die Heilige Schrift. Wie zu ihrer Lebenszeit vor tausend Jahren weist Sankt Gunthildis uns „Suchende“ auch heute auf Christus hin.
Ambo, Kreuz und Figur schuf der Künstler Heinz-Leo Weiß (Nürnberg). Das Gitter fertigten die Metallgestalter Weber & Hermann (Seukendorf).
Von Weißenburg führen über die Ludwigshöhe mehrere Wanderwege nach Suffersheim und zur Kapelle (ca. 8 km). Von Treuchtlingen führt ein schöner Wanderweg durch das Schambachtal zur Kapelle und weiter in den Ort (ca. 8 km).
Auch von Pappenheim aus lässt sich Suffersheim gut zu Fuß erreichen (ca. 7 km).
Weißenburg, Treuchtlingen und Pappenheim sind DB-Haltestellen und in
den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg integriert (
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