29. Februar 2012

S-Bahn Nürn­berg: Pünkt­lichkeit im Netz gestiegen

Bau­maß­nah­men beeinträchtigen S1 auch weiterhin

„Viele Bau­stel­len und das Ausbleiben der neuen Fahr­zeuge haben den Betrieb der S-Bahn Nürn­berg im vergangenen Jahr er­heb­lich beeinträchtig“, berichtet der seit Ja­nu­ar für In­fra­struk­turplanung zu­stän­dige Ge­schäfts­füh­rer Andreas Mäder auf der Jahrespressekonferenz des Ver­kehrs­ver­bunds Groß­raum Nürn­berg (VGN). Insbesondere auf der S-Bahnlinie 1 mit den beiden Ästen Hartmannshof – Lauf – Nürn­berg und Bam­berg – Forch­heim – Erlangen – Nürn­berg lag die Pünkt­lichkeit im Jahresdurchschnitt bei 87 Prozent, im Ge­samtnetz bei 93,4 Prozent. Bis Ja­nu­ar hat sich die Pünkt­lichkeit im S-Bahn-Netz auf 96,4 Prozent erhöht. „Mit dem Einsatz der neuen Triebfahr­zeuge ET 442 rechnen wir mit einer weiteren Verbesserung der Betriebsqualität, al­ler­dings wird es auf der S1 auch weiterhin Beeinträchtigungen geben“, so Mäder. Denn mit dem Ende des Winters wird die Bautätigkeit ent­lang der Strecke wieder zunehmen. Anlass sind die bereits im Herbst begonnenen Arbeiten zum Ausbau der Schnellver­bin­dung Nürn­berg – Erfurt (Ver­kehrs­pro­jekt Deutsche Einheit Nr. 8.1) sowie noch ausstehende Bau­maß­nah­men zur Ertüchtigung der Strecke. Soweit sie auf die Rah­men­be­din­gungen Einfluss nehmen können, lassen die Partner im Ver­kehrs­ver­bund aber nichts unversucht, um die Bedienungsqualität weiter zu verbessern. So hat sich DB Regio Franken bereits erfolgreich im DB Konzern dafür eingesetzt, dass die ersten ET 442, die der Hersteller Bombardier ausgeliefert hat und noch ausliefern wird, nach Nürn­berg kommen, obwohl auch andere Regionen dringend auf diese Triebfahr­zeuge warten.


Endspurt bei den Fahr­zeugen

Die Schwierigkeiten mit den neuen Zügen sind noch nicht ganz ausgeräumt. Zwar haben die Fahr­zeuge für die Nürn­berger S-Bahn die Zulassung durch das Ei­sen­bahn-Bundesamt mittlerweile er­hal­ten. DB Regio reklamiert aber noch vorhandene Mängel, die vor einer Abnahme beseitigt werden müssen. Wegen eines dieser Mängel ist die Bahn gezwungen auf den bereits im Einsatz befindlichen zwei Doppelzügen jeweils einen zweiten Triebfahr­zeug­führer einzusetzen. Bis weitere Fahr­zeuge in Betrieb gehen können, muss auf allen noch ein Softwareupdate aufgespielt werden, woran sich weitere Schulungen für das Fahrper­sonal anschließen. Auch kleinere Umbau­maß­nah­men sind noch erforderlich. Unter diesen Voraussetzungen ist ein Stufenplan für den fahr­plan­mä­ßigen Einsatz der neuen Züge auf den Linien vorgesehen. Demnach sollen bis Juni 2012 die beiden Linien S1 (Bam­berg – Nürn­berg – Hartmannshof) sowie S3 (Nürn­berg – Neumarkt) sukzessive auf den Betrieb mit den neuen ET 442 umgestellt werden. Bis De­zem­ber 2012 erfolgt danach die die Umstellung der S4 (Nürn­berg – Ans­bach).


 Eng­pass beseitigen

Ein weiterer Vorstoß zur Verbesserung der Betriebsqualität zielt darauf ab, die schon im Bau befindlichen S-Bahn-Gleise zwischen Fürth Haupt­bahn­hof und Fürth-Stadeln vorzeitig nutzen zu können. Diese sind bis zu einer Ent­schei­dung über den weiteren Verlauf der Strecke im Planfeststellungsabschnitt 16 (Fürth-Nord) noch ohne An­schluss an das übrige Schienennetz. Würde ein solcher vorab als Provisorium eingerichtet, könnten die Gleise schon früher für den S-Bahn-Betrieb genutzt werden. Der wesentliche Vorteil dieser Übergangslösung bestünde in der Verfügbarkeit eines zu­sätz­lichen Gleises im Bereich des Fürther Haupt­bahn­hofs. Mit der be­ste­henden In­fra­struk­tur kann heute immer nur eine S-Bahn den Haupt­bahn­hof durchfahren. Dadurch kommt es im Ver­spä­tungsfall zu er­heb­lichen Folgever­spä­tungen auf der ge­samten S1. Ein solcher Dominoeffekt ließe sich mit der An­bin­dung der neuen Gleise bedeutend reduzieren, al­ler­dings erfordert diese den aufwändigen Einbau so genannter Bauweichen. Dafür gilt es nun eine Finanzierungslösung zu finden, was nicht gerade ein­fach ist. Denn nach Fertigstellung der S-Bahn-Linie zwischen Fürth und Erlangen werden diese Weichen nicht mehr gebraucht und keiner der Beteiligten ist derzeit bereit, mehrere Mil­li­onen Euro für das Provisorium auszugeben.

In der Zwischenzeit hat sich der Vorsitzende des Zweck­ver­bands Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg (ZVGN) und Nürn­berger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly mit einem Schreiben an das Bay­e­rische Ministerium für Wirtschaft, In­fra­struk­tur, Verkehr und Technologie gewandt, um im Interesse der Fahr­gäste auf eine Lösung hinzuwirken.

 

Planfeststellungsbeschluss steht noch aus

Die Ent­schei­dung über den weiteren Verlauf der S-Bahn-Strecke im Planfeststellungsabschnitt 16 (Fürth-Nord, Verschwenk) steht derzeit noch aus. Nach aktuellen In­for­ma­ti­onen der Anhörungsbehörde bei der Regierung von Mit­tel­fran­ken kann das Anhörungsver­fah­ren erst dann abgeschlossen werden, wenn die angeforderten Stellungnahmen von DB Projektbau, dem Wasserwirtschaftsamt und der höheren Na­tur­schutz­be­hör­de vorgelegt worden sind. Aber selbst wenn diese zeitnah vorgelegt werden sollten, lässt sich nicht abschätzen, welchen Zeitraum im An­schluss das Ei­sen­bahn-Bundesamt für die Abfassung seiner Ent­schei­dung be­nö­ti­gen wird. Das bedeutet, dass der Zeitplan zur Realisierung der In­fra­struk­tur „Fürth Nord“ zu Beginn des Jah­res­fahr­plans 2016/17, der zuletzt im Arbeitskreis S-Bahn Nürn­berg kommuniziert wurde, die optimistischte aller denkbaren Va­ri­an­ten ist. Diese geht davon aus, dass der Planfeststellungsbeschluss im dritten Quartal 2012 erfolgen wird. Gegen diesen Beschluss werden auch Klagen erwartet, sodass der Beschluss voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2013 Rechtskraft erlangen wird. Der Bau­be­ginn würde dann im Jahr 2014 erfolgen, die In­be­trieb­nah­me zum Fahr­plan­wech­sel im De­zem­ber 2016.