VGN plant eine tiefgreifende Reform seines Tarifs
VGN plant eine tiefgreifende Reform seines Tarifs
Deutschlandticket – schlankes Ticketsortiment – digitale Vertriebsstrategie
In der Sitzung des Grundvertrags-Ausschusses von Montag, 13. Juli 2026 hat der VGN den Vertretern der Städte und Landkreise seinen Plan für eine grundlegende Reform des Verbundtarifs und des Vertriebs vorgestellt. Dieser sieht vor, beginnend im Jahr 2027 das Ticketsortiment deutlich zu verschlanken und somit ein klares und übersichtliches Angebot an Fahrkarten zu schaffen. Mit dem Wechsel von der bisherigen Tarifvielfalt hin zu einem einfachen und verständlicheren Tarif wird der VGN dem Wunsch vieler Kundeninnen und Kunden gerecht. Längerfristiges Ziel ist der schrittweise Übergang zu einem durchgehend digitalen VGN-Ticketsortiment mit einem grundsätzlich bargeldlosen Vertrieb bis 2030. Bereits im Juni hatten die Verkehrsunternehmen in der Gesellschafterversammlung der geplanten Tarifreform zugestimmt. In den kommenden Wochen werden nun weitere Details mit den Landkreisen und Städten abgestimmt.
Maßgebliche Triebkräfte dieser Entwicklung sind die Veränderungen im Mobilitätsverhalten vieler Fahrgäste durch die Corona-Pandemie 2019 sowie die Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023. Insbesondere das Deutschlandticket hat mit dem günstigen Preis und der einfachen Nutzung die Nachfrage im ÖPNV massiv verändert. Als rein digitales Ticket ist es leicht erhältlich und hat sehr schnell eine breite Akzeptanz erreicht. Wie in allen Verkehrsverbünden hat das auch im VGN zu erheblichen Einbrüchen bei den Verkäufen der klassischen Fahrkarten geführt. Der Absatz bei den VGN-Abos ist seit 2019 um 86 Prozent eingebrochen, bei den MobiCards und der Monatskarte Solo 31 um 83 Prozent. Die Verkäufe von 4er-Tickets und Streifenkarten sowie von TagesTickets haben sich nahezu halbiert. Der Rückgang bei den Einzelfahrkarten liegt bei 31 Prozent.
„Ein Wachstum bei den Ticketverkäufen hatten wir im vergangenen Geschäftsjahr fast nur beim Deutschlandticket, unseren HandyTickets und beim eTarif egon. Einen spürbaren Zuwachs gibt es noch bei den KombiTickets, die immer häufiger digital erworben werden. Diese Entwicklung bestätigt uns bei der zeitgemäßen Neuordnung unseres Tarifsystems. Unser Sortiment der Zukunft wird aus drei Säulen bestehen: dem Deutschlandticket, dem eTarif egon mit einer leistungsgerechten Abrechnung nach Kilometern sowie einem überschaubaren Angebot an nachfragestarken Tickets“, erklärt VGN-Geschäftsführer Torsten Heider. Dem Trend zum digitalen ÖPNV folgt schon heute ein großer Teil der VGN-Fahrgäste. Außerhalb des Schülerverkehrs werden bereits 87 Prozent der Fahrten mit einem digitalen Ticket oder mit egon durchgeführt.
Tim Dahlmann-Resing, Vorstandssprecher der VAG Nürnberg und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des VGN, unterstützt die Pläne des Verkehrsverbundes: „Die geplante Tarifreform bietet gute Möglichkeiten, vorhandene Zugangsbarrieren abzubauen. Ein übersichtliches Tarifsortiment erleichtert den Fahrgästen die Wahl ihres Tickets. Gleichzeitig hilft es den Verkehrsunternehmen, Vertriebskosten zu reduzieren, was perspektivisch ebenfalls den Fahrgästen zugutekommt. Die in Nürnberg am 1. Mai erfolgte Umstellung auf einen rein digitalen Verkauf im Bus verlief problemlos.
Digitalisierung ist Pflicht, nicht Kür
Mit dem Deutschlandticket hat die Politik die Digitalisierung des ÖPNV gezielt vorangetrieben. In anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und Branchen ist man weiter. „Das Rad dreht sich immer schneller und wir dürfen bei den Fortschritten nicht den Anschluss verlieren, nicht als VGN und auch nicht als Fahrgast. Den technologischen Wandel können und wollen wir nicht aufhalten. Fahrgäste, die noch wenig oder keine Erfahrungen mit Smartphones und Tablets haben, unterstützen wir aber gerne“, so Heider weiter. Dazu entwickelt der VGN bereits verständliche Anleitungen und Schulungsmaterial. Vielerorts im Verbundgebiet gibt es Angebote von Kommunen, Volkshochschulen und ehrenamtlichen Initiativen, um sich fit für die Digitalisierung machen zu können. Auch hier wird der Verkehrsverbund Unterstützung leisten und sich aktiv beteiligen.
Unverzichtbar ist die Tarifreform für die Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger. Der hohe Kostendruck bei den Unternehmen und die teils dramatische Lage der öffentlichen Haushalte zwingen zu Optimierungen und möglichst zu Einsparungen bei den Vertriebskosten. Es wird auf Dauer nicht möglich sein, für eine immer kleiner werdende Kundengruppe den kompletten analogen Vertrieb von Papiertickets aufrecht zu erhalten und zu finanzieren. Beim bargeldlosen Bezahlen gibt es in den städtischen und ländlichen Räumen zum Teil verschiedene Ausgangslagen, Gewohnheiten und Geschwindigkeiten. Das werden die Verbundpartner bei den weiteren Schritten berücksichtigen.
Was ändert sich ab 2027?
Vorgesehen ist in einem ersten Schritt eine Bereinigung des Sortiments der Zeitkarten. Künftig nicht mehr angeboten werden Tickets, die gegenüber dem Deutschlandticket nicht bestehen können: Das bisherige FirmenAbo ist mittlerweile fast vollständig im Deutschlandticket Job aufgegangen. Kaum mehr Abnehmer findet die Monatskarte Solo 31. Das JahresAbo entfällt in den oberen Preisstufen ab 2+T. Auf den längeren Strecken ist das Deutschlandticket deutlich günstiger. Das JahresAbo Plus verschwindet mangels Nachfrage ganz. Auch die MobiCards werden nicht mehr fortgeführt. Bestehen bleiben das JahresAbo und das 9-Uhr JahresAbo noch in den Stadtpreisstufen A bis F und in der Region in den Preisstufen 1 und 2.
Im Segment des Gelegenheitsverkehrs ist geplant, den Vertrieb von 4er-Tickets und Streifenkarten künftig einzustellen. Ihr Absatz ist seit Jahren rückläufig. Sie verursachen jedoch hohe Vertriebskosten, zum Beispiel durch die rund 3.400 Entwertergeräte, die von den Verkehrsunternehmen unterhalten und zum Teil erneuert werden müssen. Unverändert bleiben die Einzelfahrkarten und TagesTickets erhalten.
Als Ersatz für die Mitnahmemöglichkeit bei der MobiCard und dem JahresAbo Plus führt der VGN 2027 eine neue Zusatzkarte zum Deutschlandticket und zu den verbleibenden JahresAbos ein. Sie erlaubt werktags ab 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ganztägig, die Mitnahme von weiteren Personen und Fahrrädern. Die Karte ist personengebunden und soll monatlich 13 Euro kosten.
Weiterentwicklung von egon
Eine tragende Säule im künftigen Tarifsystem ist egon, der eTarif des VGN. Neben dem Deutschlandticket ist er die passende Ergänzung im Gelegenheitsverkehr. Während der Absatz von Papiertickets in diesem Segment zurückgeht, verzeichnete egon 2025 ein Plus von 13,5 Prozent. Noch in diesem Jahr wird es weitere Verbesserungen geben. Damit der Kilometertarif auch bei weiten Strecken eine günstige Alternative ist, wird der maximale Fahrpreis pro Tag auf das Niveau eines Tagestickets begrenzt. Auch Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren können egon künftig nutzen, wenn die Zahlungsübernahme in der App definiert wird. Dann können sie unabhängig von den Eltern ihre Fahrten unternehmen.
Weitere Schritte
Nach der nun im Grundvertrags-Ausschuss erfolgten Präsentation wird die Verbundgesellschaft mit den Verkehrsunternehmen sowie den Städten und Landkreisen weitere Details abstimmen und einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung erarbeiten. Die finalen Beschlüsse der Gremien erfolgen dann bis Jahresende. Die zukünftige Umstellung auf einen grundsätzlich durchgängig digitalen Tarif und Vertrieb erfordert eine umfangreichere Planung und wird für 2030 angepeilt.