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15. Juli 2026

VGN plant eine tiefgreifende Reform seines Tarifs

VGN plant eine tiefgreifende Reform seines Tarifs

Deutschlandticket – schlankes Ti­cket­sor­ti­ment – digitale Vertriebsstrategie

In der Sitzung des Grund­ver­trags-Ausschusses von Mon­tag, 13. Juli 2026 hat der VGN den Vertretern der Städte und Land­kreise seinen Plan für eine grundlegende Reform des Verbundtarifs und des Vertriebs vorgestellt. Dieser sieht vor, beginnend im Jahr 2027 das Ti­cket­sor­ti­ment deutlich zu verschlanken und somit ein klares und übersichtliches An­ge­bot an Fahr­kar­ten zu schaffen. Mit dem Wechsel von der bisherigen Tarifvielfalt hin zu einem ein­fachen und ver­ständ­licheren Tarif wird der VGN dem Wunsch vieler Kundeninnen und Kunden gerecht. Längerfristiges Ziel ist der schrittweise Übergang zu einem durchgehend digitalen VGN-Ti­cket­sor­ti­ment mit einem grund­sätz­lich bargeldlosen Vertrieb bis 2030. Bereits im Juni hatten die Ver­kehrs­un­ter­neh­men in der Ge­sell­schafter­ver­samm­lung der geplanten Tarifreform zugestimmt. In den kommenden Wochen werden nun weitere Details mit den Land­kreisen und Städten abgestimmt.

Maßgebliche Triebkräfte dieser Entwicklung sind die Veränderungen im Mo­bi­li­tätsver­hal­ten vieler Fahr­gäste durch die Corona-Pandemie 2019 sowie die Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023. Insbesondere das Deutschlandticket hat mit dem günstigen Preis und der ein­fachen Nutzung die Nachfrage im ÖPNV massiv verändert. Als rein digitales Ticket ist es leicht er­hält­lich und hat sehr schnell eine breite Akzeptanz erreicht. Wie in allen Ver­kehrs­ver­bün­den hat das auch im VGN zu er­heb­lichen Einbrüchen bei den Verkäufen der klassischen Fahr­kar­ten geführt. Der Absatz bei den VGN-Abos ist seit 2019 um 86 Prozent eingebrochen, bei den MobiCards und der Mo­nats­kar­te Solo 31 um 83 Prozent. Die Verkäufe von 4er-Tickets und Strei­fen­kar­ten sowie von TagesTickets haben sich nahezu halbiert. Der Rückgang bei den Ein­zel­fahr­karten liegt bei 31 Prozent.

„Ein Wachstum bei den Ticketverkäufen hatten wir im vergangenen Geschäftsjahr fast nur beim Deutschlandticket, unseren HandyTickets und beim eTarif egon. Einen spürbaren Zuwachs gibt es noch bei den KombiTickets, die immer häufiger digital erworben werden. Diese Entwicklung be­stä­tigt uns bei der zeitgemäßen Neuordnung unseres Ta­rif­sys­tems. Unser Sortiment der Zukunft wird aus drei Säulen be­ste­hen: dem Deutschlandticket, dem eTarif egon mit einer leistungsgerechten Abrechnung nach Kilometern sowie einem überschaubaren An­ge­bot an nachfragestarken Tickets“, erklärt VGN-Ge­schäfts­füh­rer Torsten Heider. Dem Trend zum digitalen ÖPNV folgt schon heute ein großer Teil der VGN-Fahr­gäste. Au­ßer­halb des Schülerverkehrs werden bereits 87 Prozent der Fahrten mit einem digitalen Ticket oder mit egon durch­ge­führt.

Tim Dahlmann-Resing, Vorstandssprecher der VAG Nürn­berg und Vorsitzender der Ge­sell­schafter­ver­samm­lung des VGN, unterstützt die Pläne des Ver­kehrs­ver­bundes: „Die geplante Tarifreform bietet gute Möglichkeiten, vorhandene Zugangsbarrieren abzubauen. Ein übersichtliches Tarifsortiment erleichtert den Fahr­gästen die Wahl ihres Tickets. Gleichzeitig hilft es den Ver­kehrs­un­ter­neh­men, Vertriebskosten zu reduzieren, was perspektivisch eben­falls den Fahr­gästen zugutekommt. Die in Nürn­berg am 1. Mai erfolgte Umstellung auf einen rein digitalen Verkauf im Bus verlief problemlos.

Digitalisierung ist Pflicht, nicht Kür

Mit dem Deutschlandticket hat die Politik die Digitalisierung des ÖPNV gezielt vorangetrieben. In anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und Branchen ist man weiter. „Das Rad dreht sich immer schneller und wir dürfen bei den Fortschritten nicht den An­schluss verlieren, nicht als VGN und auch nicht als Fahr­gast. Den technologischen Wandel können und wollen wir nicht aufhalten. Fahr­gäste, die noch wenig oder keine Erfahrungen mit Smart­phones und Tablets haben, unterstützen wir aber gerne“, so Heider weiter. Dazu entwickelt der VGN bereits ver­ständ­liche Anleitungen und Schulungsmaterial. Vielerorts im Ver­bund­ge­biet gibt es An­ge­bote von Kommunen, Volkshoch­schu­len und ehrenamtlichen Initiativen, um sich fit für die Digitalisierung machen zu können. Auch hier wird der Ver­kehrs­ver­bund Unterstützung leisten und sich aktiv beteiligen.

Unverzichtbar ist die Tarifreform für die Ver­kehrs­un­ter­neh­men und Auf­ga­ben­träger. Der hohe Kostendruck bei den Un­ter­neh­men und die teils dramatische Lage der öf­fent­lichen Haushalte zwingen zu Optimierungen und möglichst zu Einsparungen bei den Vertriebskosten. Es wird auf Dauer nicht möglich sein, für eine immer kleiner werdende Kundengruppe den kompletten analogen Vertrieb von Papiertickets aufrecht zu er­hal­ten und zu finanzieren. Beim bargeldlosen Bezahlen gibt es in den städtischen und ländlichen Räumen zum Teil ver­schie­dene Ausgangslagen, Gewohnheiten und Geschwindigkeiten. Das werden die Verbundpartner bei den weiteren Schritten berück­sichtigen.

Was ändert sich ab 2027?

Vorgesehen ist in einem ersten Schritt eine Bereinigung des Sortiments der Zeit­kar­ten. Künftig nicht mehr an­ge­boten werden Tickets, die gegenüber dem Deutschlandticket nicht be­ste­hen können: Das bisherige FirmenAbo ist mittlerweile fast voll­stän­dig im Deutschlandticket Job aufgegangen. Kaum mehr Abnehmer findet die Mo­nats­kar­te Solo 31. Das JahresAbo entfällt in den oberen Preis­stufen ab 2+T. Auf den längeren Strecken ist das Deutschlandticket deutlich günstiger. Das JahresAbo Plus verschwindet mangels Nachfrage ganz. Auch die MobiCards werden nicht mehr fortgeführt. Be­ste­hen bleiben das JahresAbo und das 9-Uhr JahresAbo noch in den Stadtpreis­stufen A bis F und in der Region in den Preis­stufen 1 und 2.

Im Segment des Gelegenheitsverkehrs ist geplant, den Vertrieb von 4er-Tickets und Strei­fen­kar­ten künftig einzustellen. Ihr Absatz ist seit Jahren rückläufig. Sie verursachen jedoch hohe Vertriebskosten, zum Beispiel durch die rund 3.400 Ent­wer­ter­geräte, die von den Ver­kehrs­un­ter­neh­men unter­hal­ten und zum Teil erneuert werden müssen. Unverändert bleiben die Ein­zel­fahr­karten und TagesTickets er­hal­ten.

Als Ersatz für die Mit­nah­me­mög­lich­keit bei der MobiCard und dem JahresAbo Plus führt der VGN 2027 eine neue Zu­satz­kar­te zum Deutschlandticket und zu den verbleibenden JahresAbos ein. Sie erlaubt werk­tags ab 18 Uhr, am Wo­chen­en­de und an Fei­er­tagen ganztägig, die Mitnahme von weiteren Per­so­nen und Fahr­rädern. Die Karte ist per­so­nen­ge­bun­den und soll monatlich 13 Euro kosten.

Wei­ter­ent­wick­lung von egon

Eine tragende Säule im künftigen Ta­rif­sys­tem ist egon, der eTarif des VGN. Neben dem Deutschlandticket ist er die passende Ergänzung im Gelegenheitsverkehr. Während der Absatz von Papiertickets in diesem Segment zurückgeht, verzeichnete egon 2025 ein Plus von 13,5 Prozent. Noch in diesem Jahr wird es weitere Verbesserungen geben. Damit der Kilometertarif auch bei weiten Strecken eine günstige Al­ter­na­ti­ve ist, wird der maximale Fahr­preis pro Tag auf das Niveau eines Tagestickets begrenzt. Auch Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren können egon künftig nutzen, wenn die Zahlungsübernahme in der App definiert wird. Dann können sie un­ab­hän­gig von den Eltern ihre Fahrten un­ter­neh­men.

Weitere Schritte

Nach der nun im Grund­ver­trags-Ausschuss erfolgten Präsentation wird die Ver­bund­ge­sell­schaft mit den Ver­kehrs­un­ter­neh­men sowie den Städten und Land­kreisen weitere Details abstimmen und einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung erarbeiten. Die finalen Beschlüsse der Gremien erfolgen dann bis Jahresende. Die zukünftige Umstellung auf einen grund­sätz­lich durchgängig digitalen Tarif und Vertrieb erfordert eine um­fang­reichere Planung und wird für 2030 angepeilt.